Kaffee statt Weihrauch

Ich hab‘s ausprobiert, und es gelingt tatsächlich: Hier, in dieser ehemaligen Kirche, kann man nicht nur gemütlich Kaffee trinken, sondern dabei auch noch ein Buch über Typen lesen, mit denen überhaupt nicht gut Kirschen essen ist. 

Der Tag hat mich geschafft. Und dann das.

23.38 Uhr. Der Tag hat mich geschafft. Dennoch steht mir noch was bevor: Zähne putzen. Ich nehme die Bürste, die elektrische, in die Rechte. Mit der Linken packe ich mir die Tube, drücke das cremige Zeug auf meine Beißer, denn wenn ich es auf die rotierende Bürste drücken würde, würde mir der Kram ja um die Ohren fliegen. Dann den gewohnten Druck auf den On-Schalter, und es passiert: Ein dickes, schwarzes Etwas wird durch die wild sich drehende Bürste ins Becken geschleudert. Nun liegt es da auf dem glänzenden Weiß, das noch weißer ist, als meine Milchzähne einst waren. Es liegt dort eine Schnappatmung lang. Pechschwarz auf Weiß. Dann kriegt es Beine. Es klappt sie einfach aus und macht sich davon. Ich identifiziere das schwarze Etwas schlaftrunken als Spinne. Als Spinne kapitaler Bauart. Auch ich mache mich davon. Ziemlich flott. Ohne ein „gute Nacht“.

Hat mich teilweise sprachlos gemacht

Angel Spotsrock schreibt in ihrer Rezension über Till Türmer auf Amazon unter anderem:

Für mich ist es nicht immer einfach, ein Buch ohne die Fachbrille zu genießen. Deshalb fällt mir in diesem Buch vor allem der meisterliche Schreibstil des Autors auf. Das Tempo seiner Erzählung fließt äußerst angenehm, und obwohl es um ein wenig erfreuliches Thema geht, liest sich das Buch wunderbar unterhaltsam. Die Angst vor dem Tod schleicht sich durch die Geschichte wie ein Geist, blitzt hier und da deutlich auf, um von Till weder verdrängt zu werden.
Orte, Situationen, Stimmungen und Gedanken beschreibt Andreas Klaene in einer Art und Weise, die mich intensiv hineinzog in die Handlung. Er komponiert gekonnt mit reichhaltiger, exzellenter Auswahl passender Adjektive; das macht die Beschreibungen so anschaulich. Diese Anschaulichkeit hat mich teilweise sprachlos gemacht, lächeln, träumen und vor dem geistigen Auge malen lassen. U. a. insbesondere das Bild von Ebbe und Flut.
Am Ende erlebte ich ein Feuerwerk von Erkenntnissen, die realistisch nachfühlbar für mich und phänomenal für den Romanhelden sind. Andreas Klaene versteht es brillant, den Bogen der Geschichte zu spannen bis zuletzt. Und mich hat die Szene im Bestattungsinstitut, in der Till plötzlich seine Ängste überwindet, regelrecht ergriffen und zu Tränen gerührt.
„Till Türmer und die Angst vor dem Tod“ ist ein Buch ganz besonders für uns Angsthasen, denn es offeriert Möglichkeiten, sich mit dem unweigerlichen Ende, das uns allen bevorsteht, zu Zeiten, in denen es uns gut geht, vertraut zu machen. Daran stirbt noch niemand. Und ein besonders köstlicher Effekt dabei: Uns wird klar, dass das Leben nur durch seine Endlichkeit so kostbar ist.

Nur eine Beobachtung

Nur eine kleine Beobachtung.
Aber eine schöne, wie ich meine.
Es ist 7.20 Uhr. Die Morgensonne schaut noch recht verschlafen auf die Welt. Ein kleiner Junge – vielleicht im zweiten Schuljahr – ist mit Rucksack auf dem Weg zum Unterricht. Er bleibt an einem Vorgarten stehen, schaut ins Beet. Er beugt sich vor, blickt auf die Erde. Dann schaut er sich um, prüft, ob irgendjemand sieht, was keiner sehen soll. Und wieder blickt er aufs Beet. Vorsichtig setzt er einen Fuß zwischen die Pflanzen, blickt noch einmal zurück, beugt sich hinunter und pflückt eine Narzisse. Sie steht noch in Knospe. Genau wie er, dieser Kleine. Dann ein Sprung auf den Gehweg. Noch schnelle Blicke zu allen Seiten und nichts wie weg. Aber wohin? Zur Schule, das ist klar. Zu ihr, die er mit seiner Blüte beglücken will. Zur Mitschülerin oder zu seiner Lehrerin, die nicht ahnt, wie er für sie erblüht. Oder am Mittag mit der dürstenden Narzisse in der Hand zurück zur Mama. 

Tolle Figur

Sie hat durchaus schon eine bessere Figur gemacht. Aber indem sie sich in zuwendender Absicht klein macht, verliert sie nicht an Größe. Auf fremder Augenhöhe angelangt, kommt sie großartig an.

Auch ’ne Idee

Wenn das Bewusstsein, keinen Arsch in der Hose zu haben, selbst durch den Erwerb einer neuen Jeans nicht zum Schweigen gebracht werden kann, kommt so manche Flasche auf die Idee, es einfach zu ertränken. ;))

Bis einen nichts mehr juckt

Im Falle einer krabbelnden Empfindung auf der Haut führe man unverzüglich und auf der Stelle eine der verfügbaren Hände zum Ort des nervigen Geschehens, fahre die Finger aus, richte deren Nägel punktgenau auf die Stelle widerlichen Reizes und kralle sie mutig in die Tiefe gepeinigten Fleisches, bis einen selbst das Lachen streunender Passanten überhaupt nicht mehr juckt.

Immer wieder beeindruckend

Eigentlich war ich heute wegen der Bilder von Max Beckmann in der Bremer Kunsthalle. Aber nach einer Führung durch seine Ausstellung stand ich wieder einmal vor dieser Szene, einem Bild, das Fritz Mackensen 1892 gemalt hat. Ich finde es immer wieder beeindruckend. Und ja, irgendwie berührend.

Bis er sich wieder regte

Schon wieder ist ein Vogel vor mein Fenster geflogen.
Diesmal ein Buchfinkmännchen. Er lag wie tot auf dem Boden.
Ich hob ihn auf, damit er nicht sogleich von einer Katze gefressen wurde, hielt ihn eine Dreiviertelstunde in der Hand, dann endlich regte er sich und sah mich so wach an, dass ich meine Hand wieder öffnen konnte. Er flog davon. Aber er flog nur ein paar Meter, landete in einer mächtigen Zypresse und sah mich an wie einer, der mich durchaus okay findet. :))