Dann wäre er außer sich

Ich würde ja gern mal. 
Also nur manchmal. 
Ich meine, mal `nen Blick reinwerfen, einfach mal gucken, wer da mit wem und so. Und auch das Wie wäre vielleicht gar nicht so uninteressant. Wenn man´s wüsste, sähe man seinen Nachbarn oder Chef womöglich mit völlig anderen Augen. Aber ich tu’s nicht. Ehrlich. Weil man’s halt nicht macht. Obwohl: Wenn ich’s täte und es käme raus, käme auch er raus. Aus dem Haus. Ich meine mein Nachbar. Oder sonst einer. Dann wäre er außer sich und gäbe mir einen völlig neuen Einblick in sein Inneres. 😉

Jeder hält ihn für tot

Früher,
als er noch ein Baum war,
war Leben Überleben.
Jetzt
steht er als Pfahl in der Landschaft,
amüsiert sich darüber,
dass jeder ihn für tot hält,
lebt auf,
wenn einer kommt,
der ihn fotografiert,
und kapiert:
Leben ist Erleben. 

Ich kann nicht anders

Schlechte Sicht
pfercht meine Sinne ein.
Ich kann nicht anders,
als anzusehen was ist,
zu betrachten,
was greifbar vor mir liegt,
und entdecke
den Zauber des Jetzt.

Loslassen ist ein Risiko

Also, ich weiß ja nicht, ob es wirklich so supertoll ist, immer alle Fäden in der Hand zu haben. Man traut sich ja überhaupt nicht mehr, mal loszulassen und zu streicheln. Tut man’s doch, weil man’s einfach nicht lassen kann, kriegt man eins drauf, weil überall angeblich alle Stricke reißen. 😉

Das guckt so schamlos

Neugier kommt ja nicht so gut an. Ich meine die, die einen befallen kann, wenn man vor so einem Schlüsselloch steht. Erst recht vor einem, das sich so herrlich einladend anbietet. Man könnte diese Neugier aber ja auch von der anderen Seite aus betrachten. Gesetzt den Fall, man sieht etwas wirklich Aufregendes, so ist es damit ja noch längst nicht getan. Schließlich schaut einem das Aufregende ganz schamlos tief ins Auge. Und dann erzählt es uns etwas über uns selbst. Das könnte einen auf die schönsten Ideen bringen. Könnte aber auch etwas sein, das wir gar nicht so genau wissen wollen. 

Sie ahnen es nicht

Wie überflüssig
müssen sie sich vorkommen, diese Säulen.
Sie stehen da, in der Landschaft,
können nichts und niemandem eine Stütze sein,
nicht einmal einem Dach,
und sie ahnen nicht,
dass jeder, der sie entdeckt,
sich freut, sie zu sehen, sie zu betrachten.
Weil sie sind wie sie sind. 

Verführerische Einladung

Seltsam: Ein leerer Stuhl ist für mich allenfalls so aufregend wie jeder andere Vierbeiner, der nicht mit mir will. Zwei leere Stühle hingegen wehen das Flair einer verführerischen Einladung zu mir rüber. 

Nie zugetraut

Nie fühlte er sich besonders groß.
Schon gar nicht großartig.
Blieb immer am Rande,
gab denen Halt, die wankten.
Bis sie ihn drängten,
für sie in die Flut zu gehen.
Nun ist er, was er sich nie zutraute,
ein Fels in der Brandung.