Und trotzdem kommt es raus

Sie sagen es zwar nicht,
aber es kommt trotzdem raus.
Man sieht es ihnen doch an,
all den Bäumen:
Keiner zieht sie an
wie der Herbst.
Warum sonst
sollten sie sich
von ihm ausziehen lassen.
Auf ihn haben sie gewartet,
einen ganzen Sommer lang.
Darauf, dass er kommt,
stürmisch und sanft.

© Andreas Klaene

Total überbewertet

Also, ich weiß ja nicht, aber ich hab so die Ahnung, dass man Ketten enorm überbewertet. Wenn ich mir diese hier mal genau angucke, ist sie auf einmal gar nicht mehr da. Ich kann noch so suchen, sie ist weg. Stattdessen sehe ich lauter Nullen, die Händchen halten, damit sie sich nicht so allein fühlen.

Er gibt den Stacheln zu trinken

Revanche fällt ihm nicht ein.
Sanft schiebt er seinen Rindenmantel
über eiserne Krallen.
Tut es mit Langmut.
Hält aus wie ein Liebender
und gibt den Stacheln zu trinken von dem,
was in ihm steckt.
© Andreas Klaene

Was zum Anlehnen und Aufschauen

Man braucht ja was zum Aufschauen.
Und hin und wieder zum Anlehnen.
Man kann sich auch dran reiben.
Und man kann von so ’nem Riesen träumen.
Und davon, dass man selbst noch viel größer
als er und der Riese nur ein Zahnstocher ist.
Aber dann hat man keinen mehr zum Anlehnen.
© Andreas Klaene

Des Jahres Nachtgewand

Mit weißem Himmelsstaub
bedeckt der Winter
Bäume, Felder, Dächer,
reicht dem Jahr
das Nachtgewand,
will uns führen
zur Traumesstille,
aus der wir
hellwach blicken auf das,
was kommen mag.

© Andreas Klaene