Ein Rotkehlchenleben lang

Wenn mich jemand so richtig begeistert, kann ich es schlecht für mich behalten. Ich muss es ihm oder ihr sagen. Doch dann passiert leider nicht immer, was ich mir wünsche: Manche (Männer) sind so mit ihrer Scham beschäftigt, dass sie nicht mehr dazu kommen, sich einfach zu freuen. Andere tun so, als hätte ich etwas gesagt, das gar nicht sein kann. Und dann gibt es hin und wieder Exemplare (Frauen), die schauen mich an, als hätte ich ihnen gesagt, ein Vogel habe ihnen in die Frisur gekackt. Das Rotkehlchen ist da ganz anders. Häufig kommt es mir ganz nahe. Ich schaue es an, bin hin und weg, kann seine grazile Form fast spüren, liebe seine Farben, mit denen es meine Blicke streichelt. Diese kleine Schönheit kann bestens mit all meinen dahingemurmelten Komplimenten umgehen. Sie schluckt sie wie ein Schönheitselixier. Das ist ganz offensichtlich, finde ich. Dieses Wesen scheint mir dafür zu danken, indem es mich mit einer Schönheit beschenkt, die hält. Ein Rotkehlchenleben lang. 😀

Das steckt an

Es passiert was, wenn ich sie anschaue. Nicht immer. Nur dann, wenn ich mir ein paar Sekunden gönne. Wenn das Filigrane, das Zarte, Zerbrechliche anfängt, mich zu beeindrucken. Aber was ist es, was sich dann tut? Lange Zeit hatte ich keinen Schimmer, jetzt kommt mir eine Ahnung: Ich glaube, filigrane Zartheit steckt an. Wer sie betrachtet, verliert Härte, empfindet zarter und wird es auch. Das bleibt nicht ohne Folgen. Es entsteht Glück. Und das schützt vor Unglück. 😀🌞

Das Gute an Mauern

Ich bin ja wirklich kein Fan von Mauern, aber eines muss ich diesen Dingern lassen: Wenn es sie nicht gäbe, hätte ich nie diese Tür gefunden und den Ausblick genossen. 😀

Das stellt meine Welt auf den Kopf

Ist ja vielleicht ganz nett anzuschauen, wenn sich die Landschaft im Wasser spiegelt und die Bäume auf dem Kopf stehen. Aber es gibt noch Netteres, das sogar fasziniert. Mich jedenfalls. Mir passiert so etwas, wenn ich total mies drauf bin und dann einem begegne, der mich mit seiner Fröhlichkeit und Leichtigkeit infiziert. Das ist dann eine Spiegelung, die nicht nur Bäume, sondern meine komplette Welt auf den Kopf stellt. So massiv, dass ich anschließend mit beiden Beinen umso fester auf dem Boden stehe.

Aufbrechen

Der Frühling treibt sie alle auf die Bühne, die Knospen, Halme, Rispen und Blätter. Er reißt für uns den Vorhang auf, rückt die ganze Welt ins schönste Scheinwerferlicht. Und dann stehen wir da, halten staunend inne und können kaum anders, als es zu machen wie sie, die Natur: aufbrechen, tun, was schon viel zu lange nicht und vielleicht noch nie getan wurde. 

Jeder hält ihn für tot

Früher,
als er noch ein Baum war,
war Leben Überleben.
Jetzt
steht er als Pfahl in der Landschaft,
amüsiert sich darüber,
dass jeder ihn für tot hält,
lebt auf,
wenn einer kommt,
der ihn fotografiert,
und kapiert:
Leben ist Erleben. 

Und trotzdem kommt es raus

Sie sagen es zwar nicht,
aber es kommt trotzdem raus.
Man sieht es ihnen doch an,
all den Bäumen:
Keiner zieht sie an
wie der Herbst.
Warum sonst
sollten sie sich
von ihm ausziehen lassen.
Auf ihn haben sie gewartet,
einen ganzen Sommer lang.
Darauf, dass er kommt,
stürmisch und sanft.

© Andreas Klaene

Durchhänger

Ich weiß, knospendes Grün sieht anders aus, aber ich finde, so ein Durchhänger macht sich auch nicht schlecht. So einen könnten wir uns am Wochenende doch auch mal leisten. Denn wenn ich mir diesen hier so angucke, stelle ich fest: Durchhängen macht schön.

Der hat `nen Vogel

Seine filigranen Füße umkrallten das blanke Metall des Stuhls. Er sah mich an. Schien gar nicht mehr aufhören zu wollen mit seiner Anguckerei. Verdrehte den Kopf, als hätte er Angst, an Halsstarre zu sterben. Sah mich exakt so an, wie es der Kellner zuvor gemacht hatte. Als er mich fragte, ob es mir geschmeckt habe. Aber diese Frage beschäftigte den Spatz nicht. Überhaupt nicht. Der wollte meinen Keks. Den, der sich auf meiner Untertasse in der Sonne räkelte. Ich rückte ihn raus. Konnte nicht anders. Er hatte so etwas Überzeugendes, dieser Spatz. Der sah aus, als hätte er `nen Vogel. Und er schien zu sagen: „Ich bin ein Star.“