Neue Einsicht eines alten Fensters

„Sag mal, kapierst du das?“, fragte das linke Fernster das rechte.
„Was?“
„Dass die nie hier sind.“
„Wer?“
„Sie und er.“
„Ach so. Ja, die fühlen sich halt überall zu Hause.“
„Könnt ich nicht.“
„Ist aber gar nicht so schlecht.“
„Wieso?“
„Überleg doch mal: Wer sich überall zu Hause fühlt, kann nie fremdgehen.“ 😉

Schon ewig unberührt

„Was stehste so verloren rum?“, fragte das Fenster den Schuh.
„Weil ich’s bin: total verloren.“
„Wie meinste das?“
„Schlüpft doch schon ewig kein Fuß mehr in mich rein.“
„Dann ist aber auch schon ewig keiner mehr mit dir durch ’n Dreck gelatscht.“
„Was ist eigentlich mit dir?“, fragte der Schuh. „Ich meine von wegen Dreck. Siehst mir auch ziemlich vergessen aus. Transparenz ist jedenfalls was anderes.“
„Stört mich überhaupt nicht“, sagte das Fenster.
„Wieso nicht?“
„Weil viele nur von Transparenz reden, um Offensichtliches zu vernebeln. Gut, dass ich da nicht mehr mitmachen muss.“ 😉😀

Sie nimmt die Falschen mit ins Bett

„Sie hielt’s nicht bei mir aus. Hab wohl wieder alles falsch gemacht“, sagte das Bett.
„Stimmt nicht.“
„Woher willste das wissen?“
„Hab doch alles mit angesehen“, sagte das Fenster.
„Was hast du gesehen?“
„Dass sie die Falschen mit ins Bett nimmt. Mit denen kann keiner ruhig schlafen.“
„Pardon, sie war allein“, sagte das Bett.
„War sie nicht. Ihre Unzufriedenheit war bei ihr.“
„Okay, aber die wird man nicht einfach los.“
„Man kann sie fallenlassen.“
„Aha. Wie denn das?“
„Sehen, dass sie sinnlos ist. Alle Unzufriedenheit. Versuch mal, sie zu befriedigen. Die wird nur gefräßiger.“
„Was frisst sie denn?“, fragte das Bett.
„Das Heute.“ 

Erfüllende Leere

„Diese ewige Leere macht einen ja ganz fertig“, sagte die rechte Schüssel zur linken.
„Find ich eigentlich gar nicht so schlecht“, sagte die linke.
„Hey, du hast wohl ’n Sprung! Von so ’ner Leere hat man doch nix.“
„Kann ich nicht behaupten.“
„Wie bitte? Was haste denn davon?“
„Platz für Erfüllung.“ 😀

Das Schönste

„Zieh dich aus“, sagte der Sommer, „und dann gib mir dein Zeug. Du brauchst es nicht.“ „Was willst du damit?“
„Ich will es zeigen.“
„Wem denn?“
„Allen, die einen Blick dafür haben.“
„Blick für was?“
„Für das Geheimnisvolle. Es ist doch das Schönste, was wir erleben können.“

Dann wirst du duften

„Na, du altes Haus, zeigst dich ja wieder mal verführerisch offen. Haste keine Angst, dass jeder in dein Inneres schaut?“
„Eigentlich nicht“, sagte das Haus zur Rose. „Aber sag mal, wie geht es dir denn heute, an diesem sonnigen Tag an meiner warmen Wand?“
„Ging schon mal besser“, sagte die Rose.
„Wieso?“
„Ach, alle latschen nur an mir vorbei und keiner schaut mich an.“
„Das lässt sich ändern“, sagte das Haus.
„Und wie?“
„Hör einfach auf, dicht zu machen. Öffne deine zarten Knospen und zeig etwas mehr von deiner inneren Schönheit.“
„Und dann?“
„Dann wirst du duften und der Welt die Augen öffnen.“ 

So gern hätte er Licht gemacht

Er konnte sie kaum noch erkennen, so schummrig war das Licht in ihrem Zimmer. Alles, was er so gern an ihr betrachtete, bedeckte der Abend mit dem grauen Vlies des davonziehenden Tages. So gern hätte er Licht gemacht, aber er wusste, dass sie es nicht brauchte. Ihre dunkle Brille verbarg Augen, die nie etwas gesehen hatten. Als er sich aufmachte, sagte sie, er sei schön. Sein Danke klang wie ein Fragezeichen. Es stand hilflos zwischen ihnen auf dem grauen Boden aus Stein.
„Sie haben meine Dunkelheit erleuchtet“, sagte sie. „Mit Ihren Worten. Sie schimmern hell. Wie die Gesten eines Pantomimen.“

Wenn du so weiter machst …

„Man muss sich ja für dich schämen“, sagte das alte Haus. „Wenn du so weiter machst, fällst du noch total aus dem Rahmen.“
„Kann schon sein“, sagte das alte Fenster. „Ich hoffe jedenfalls, dass ich das schaffe. Irgendwie. Sonst fühle ich mich nämlich bald nur noch beschränkt.“
„Aber hör mal, das kannste doch nicht machen. Ich meine, einfach so aus dem Rahmen fallen. Du zerdepperst doch das schöne Bild der Welt.“
„Welcher Welt? Meiner nicht. Ich glaube, ich überwinde einfach Grenzen. Außerdem fühle ich mich hier wie bei ner Psychoanalyse: Jeder guckt in mich rein.“ 😉

Warum er das wohl tut?

Habe mich ja schon oft gefragt, warum er das tut. Warum er uns in so strahlendes Licht stellt und unsere Fassaden bemalt. Ich glaube, ich weiß es: Er mag uns und möchte es sagen. Nur fehlen ihm die Worte. Aber er weiß sich zu helfen, dieser Himmel. Darum streichelt er uns mit sommerlichem Licht und bemalt unsere Fassaden mit liebender Hand. 😀🌞

Was der Tisch so alles weiß

Ich wüsste ja zu gern, was ein Tisch, der so viele Jahre auf der Platte hat, erzählen würde – wenn er könnte. Was der wohl für Typen kennengelernt hat? Vielleicht weiß der sogar, wie es sich anfühlt, wenn einer über den Tisch gezogen wird. Wenn ja, dann hoffe ich mal, dass er die dabei entstandene Reibungshitze nicht allzu lange als Nestwärme fehlgedeutet hat. 😀