Das Schönste

„Zieh dich aus“, sagte der Sommer, „und dann gib mir dein Zeug. Du brauchst es nicht.“ „Was willst du damit?“
„Ich will es zeigen.“
„Wem denn?“
„Allen, die einen Blick dafür haben.“
„Blick für was?“
„Für das Geheimnisvolle. Es ist doch das Schönste, was wir erleben können.“

Dann wirst du duften

„Na, du altes Haus, zeigst dich ja wieder mal verführerisch offen. Haste keine Angst, dass jeder in dein Inneres schaut?“
„Eigentlich nicht“, sagte das Haus zur Rose. „Aber sag mal, wie geht es dir denn heute, an diesem sonnigen Tag an meiner warmen Wand?“
„Ging schon mal besser“, sagte die Rose.
„Wieso?“
„Ach, alle latschen nur an mir vorbei und keiner schaut mich an.“
„Das lässt sich ändern“, sagte das Haus.
„Und wie?“
„Hör einfach auf, dicht zu machen. Öffne deine zarten Knospen und zeig etwas mehr von deiner inneren Schönheit.“
„Und dann?“
„Dann wirst du duften und der Welt die Augen öffnen.“ 

So gern hätte er Licht gemacht

Er konnte sie kaum noch erkennen, so schummrig war das Licht in ihrem Zimmer. Alles, was er so gern an ihr betrachtete, bedeckte der Abend mit dem grauen Vlies des davonziehenden Tages. So gern hätte er Licht gemacht, aber er wusste, dass sie es nicht brauchte. Ihre dunkle Brille verbarg Augen, die nie etwas gesehen hatten. Als er sich aufmachte, sagte sie, er sei schön. Sein Danke klang wie ein Fragezeichen. Es stand hilflos zwischen ihnen auf dem grauen Boden aus Stein.
„Sie haben meine Dunkelheit erleuchtet“, sagte sie. „Mit Ihren Worten. Sie schimmern hell. Wie die Gesten eines Pantomimen.“

Wenn du so weiter machst …

„Man muss sich ja für dich schämen“, sagte das alte Haus. „Wenn du so weiter machst, fällst du noch total aus dem Rahmen.“
„Kann schon sein“, sagte das alte Fenster. „Ich hoffe jedenfalls, dass ich das schaffe. Irgendwie. Sonst fühle ich mich nämlich bald nur noch beschränkt.“
„Aber hör mal, das kannste doch nicht machen. Ich meine, einfach so aus dem Rahmen fallen. Du zerdepperst doch das schöne Bild der Welt.“
„Welcher Welt? Meiner nicht. Ich glaube, ich überwinde einfach Grenzen. Außerdem fühle ich mich hier wie bei ner Psychoanalyse: Jeder guckt in mich rein.“ 😉

Warum er das wohl tut?

Habe mich ja schon oft gefragt, warum er das tut. Warum er uns in so strahlendes Licht stellt und unsere Fassaden bemalt. Ich glaube, ich weiß es: Er mag uns und möchte es sagen. Nur fehlen ihm die Worte. Aber er weiß sich zu helfen, dieser Himmel. Darum streichelt er uns mit sommerlichem Licht und bemalt unsere Fassaden mit liebender Hand. 😀🌞

Was der Tisch so alles weiß

Ich wüsste ja zu gern, was ein Tisch, der so viele Jahre auf der Platte hat, erzählen würde – wenn er könnte. Was der wohl für Typen kennengelernt hat? Vielleicht weiß der sogar, wie es sich anfühlt, wenn einer über den Tisch gezogen wird. Wenn ja, dann hoffe ich mal, dass er die dabei entstandene Reibungshitze nicht allzu lange als Nestwärme fehlgedeutet hat. 😀 

Dann wäre er außer sich

Ich würde ja gern mal. 
Also nur manchmal. 
Ich meine, mal `nen Blick reinwerfen, einfach mal gucken, wer da mit wem und so. Und auch das Wie wäre vielleicht gar nicht so uninteressant. Wenn man´s wüsste, sähe man seinen Nachbarn oder Chef womöglich mit völlig anderen Augen. Aber ich tu’s nicht. Ehrlich. Weil man’s halt nicht macht. Obwohl: Wenn ich’s täte und es käme raus, käme auch er raus. Aus dem Haus. Ich meine mein Nachbar. Oder sonst einer. Dann wäre er außer sich und gäbe mir einen völlig neuen Einblick in sein Inneres. 😉

Passiert mir auch

Habe soeben gelesen, dass manche eine tolle Aussicht einer guten Einsicht vorziehen. Passiert mir auch ab und zu und hin und wieder und immer mal wieder. ;))

Ich wünsche euch und mir eine reizvolle Perspektive.

Getrübte Aussicht

Wenn die Aussicht mal mies ist,
bleibt einem ja immer noch die eigene Innenansicht.
Und die kann einen auf Gedanken bringen,
auf die man beim schönsten Blick nach draußen
nie gekommen wäre.