Die Leichtigkeit von einst

„Dich kenn ich doch“, sagte der Museumsbesucher zum Ballonhund und blieb mit großen Augen vor ihm stehen.
„Ne, mich haste noch nie gesehen“, sagte der luftige Riese.
„Woher willst du das wissen?“
„Wenn ich dir vertraut wäre, würdest du nicht sofort dein Handy zücken und mich fotografieren.“
„Doch, ich kenn dich.“
„Nein“, sagte der Hund, „ich erinnere dich nur an etwas. An etwas Schönes.“
„An was solltest du mich schon erinnern?“
„An deine Geburtstage. An die, als du noch klein warst. Da schwebten Typen wie ich bei dir durchs Zimmer. Aber nur im Kleinformat. Sie waren so leicht wie du dich fühltest.“
„Stimmt, aber wieso bist du so riesig?“
„Weil du mich sonst nicht sehen würdest.“
„Du, ich hab nix mit den Augen.“
„Mag sein, aber du hast nicht mehr die Leichtigkeit von einst. Und die braucht man, um mich auch im Kleinformat bewundern zu können.“

Ob da alle verliebt sind?

„Ich überlege gerade, ob die tatsächlich alle verliebt sind“, sagte die Straße zum Schild, „oder ob’s die nur zum Platz der Verliebten zieht, weil sie auf der Suche sind.“
„Auf Suche sind doch alle“, sagte das Schild.
„Verliebte doch nicht. Die haben doch, was sie wollen.“
„Längst nicht alle“, sagte das Schild. „Manche suchen in ihrer Liebe sowas wie ’ne ewige Heimat.“
„Das klingt irgendwie schön.“
Die Straße überlegte: „Und wenn man die bekommen hat, was ist dann? Passiert dann noch was?“
„Schon möglich. Aber nur, wenn man sich zusammen auf die Reise macht.“ 😀