Im Raum aus Gold

„Keine Ahnung, ob das Kunst ist“, sagte ein Ausstellungsbesucher zum anderen, „aber eins weiß ich sicher: Weg kann das nicht.“
„Wie meinste das?“
„Guck doch mal: ein ganzer Raum aus Gold. In totaler Schlichtheit. Hat ’ne enorme Ausstrahlung. Wirkt irgendwie überirdisch schön.“
„Klingt nach Vollkommenheit“, sagte der andere.
„Ja, das passt.“
„Und wenn man dann bedenkt, dass Gold ein Zeichen für Ewigkeit ist.“
„Vollkommenheit, die gibt’s aber doch gar nicht“, sagte der andere.
„Bei uns nicht. Die ist ’ne Dimension des Himmels.“
„Warum redet man dann so viel darüber?“
„Weil wir Himmlisches anstreben. Ist ja auch gut so. Täten wir das nicht, würden wir nie so viel Supergutes hinkriegen.“
„Aber was hat den Künstler James Bee Byars geritten, einen ganzen Raum aus Gold zu schaffen?“
„Der hat noch mehr getan. Kurz vor seinem Sterben legte er sich todkrank mitten hinein. Kannst du die fünf Kristalle da unten erkennen?“
„Ja, was ist damit?“
„Die hat seine Galeristin genau da ausgelegt, wo er lag. Als sie ihm wieder auf die Beine half, sagte er, er habe sich da unten in den Tod eingeübt. Hat sich also mit himmlischer Vollkommenheit und Ewigkeit beschäftigt.“
„Das könnten wir auch machen. Am besten mitten im Leben.“
„Los, packen wir’s!“ 

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