Weil’s wahr ist

Ich weiß ja, dass WERBUNG als die effektivste Form der Lüge gilt. 😉 Dennoch traue ich mich zu sagen: Alles, was ich in dieser Erzählung, für die ich heute werbe, geschrieben habe, entspricht der Wahrheit. 

Hier eine Minisequenz daraus: „Gegenüber keinem Menschen sonst hätte sie sich diese Blöße gegeben. Nun stand sie da, vor ihrem Sohn, fühlte sich von einer auf die andere Sekunde entkleidet. Sie kam sich vor, als wäre sie auf einer Kinoleinwand zu sehen. So nackt und so authentisch, wie sie sich noch nie jemandem gezeigt hatte. Und ihr eigener Sohn schaute sie an, sah sie in der Rolle ihres Lebens. Aber dieser Film war nichts für Kinderaugen. Einer wie Sven konnte dieses Leben doch noch gar nicht verstehen. Und fraglich, ob er jemals kapieren würde, wie ungelebt ihres war.“ 

Die Netzwerkerin

Mit diesem Fischkutter aus Greetsiel kommt WERBUNG auf euch zu. 😀 Nicht für Krabben und anderes leckere Zeug aus der Nordsee, sondern für meinen Roman Till Türmer und die Angst vor dem Tod. Darum passend zur Bildszene eine kleine Sequenz aus dem Buch:

„Welche Ähnlichkeit Tina und solche Fischernetze doch haben, dachte Till. Nicht nur, dass beide viele Blicke ernteten. Tina war in beruflicher wie privater Hinsicht die Netzwerkerin schlechthin. Wenn sie auf Fang ging, lohnte es sich so gut wie immer. Mancher, der ihr ins Netz ging, verhedderte sich zwar so in ihren Maschen, dass er kaum wieder heraus kam, konnte sich aber immerhin sagen, von ihr als Leckerbissen genossen zu werden.“ 

Kaffee statt Weihrauch

Ich hab‘s ausprobiert, und es gelingt tatsächlich: Hier, in dieser ehemaligen Kirche, kann man nicht nur gemütlich Kaffee trinken, sondern dabei auch noch ein Buch über Typen lesen, mit denen überhaupt nicht gut Kirschen essen ist. 

Lungernde Leere

Nichts los. 
Lungernde Leere.
Gedanken klopfen an, 
kehren zurück 
wie längst gegangene Gäste,
betreten das Nichts, kreisen
auf der Tanzfläche der Erinnerungen. 
feiern und streiten, 
lieben, begehren, rechnen ab. 
Das Jetzt bringt sie aus dem Takt. 
Keiner setzt sich. 
Sie tanzen ins Nichts. 

Einander so gleich

Köpfe,
einer wie der andere
ziemlich rund.
Einer anders als der andere,
einander so gleich 
wie Schnauze und Mund. 😀

Der Tag hat mich geschafft. Und dann das.

23.38 Uhr. Der Tag hat mich geschafft. Dennoch steht mir noch was bevor: Zähne putzen. Ich nehme die Bürste, die elektrische, in die Rechte. Mit der Linken packe ich mir die Tube, drücke das cremige Zeug auf meine Beißer, denn wenn ich es auf die rotierende Bürste drücken würde, würde mir der Kram ja um die Ohren fliegen. Dann den gewohnten Druck auf den On-Schalter, und es passiert: Ein dickes, schwarzes Etwas wird durch die wild sich drehende Bürste ins Becken geschleudert. Nun liegt es da auf dem glänzenden Weiß, das noch weißer ist, als meine Milchzähne einst waren. Es liegt dort eine Schnappatmung lang. Pechschwarz auf Weiß. Dann kriegt es Beine. Es klappt sie einfach aus und macht sich davon. Ich identifiziere das schwarze Etwas schlaftrunken als Spinne. Als Spinne kapitaler Bauart. Auch ich mache mich davon. Ziemlich flott. Ohne ein „gute Nacht“.

Bevor es zu spät ist

„Ich muss mal“, sagte sie.
„Muss das jetzt sein?“
„Ja.“
„Dann müssen wir hier links ab.“
„Ne, lass uns woanders verschwinden.“
„Wieso?“
„Weil es links nur Einsamkeit zu zweit gibt.“
„Geht bestimmt auch anders.“
„Wie denn?“
„Wir müssen uns nur trennen, ehe es zu spät ist.“ 😉

Null Respekt

„Vor dir hab ich Respekt“, sagte die Kuh.
„Schön wär’s“, sagte der Stacheldraht.
„Glaubste mir nicht?“
„Ne, denn du hast keinen Respekt vor mir. Dann könntest du mich als deine Grenze achten. Vielleicht sogar richtig mögen. Tuste aber nicht.“
„Sondern?“
„Du hast Angst. So wie alle.“
„Nicht alle. Die Menschen nicht“, sagte die Kuh.
„Die können sogar Grenzen verschwinden lassen.“
„Warum sollten sie das tun?“
„Weil sie sich dann menschlicher fühlen.“ 😀

Habe sie nur geweckt

„Na, woran denkst du?“, fragte die Zuckerwatte.
„Daran, dass ich mich freue.“
„Magst du mich etwa so gern?“
„Ja, so gern, dass ich mich frage, ob du die Freude bist.“
„Ich? Nein, ich bin nur deine Zuckerwatte.“
„Aber woher kommt denn die Freude?“
„Aus dir. Dort ist sie immer.“
„Das kann nicht sein. Bevor ich dich hatte, war sie nicht da.“
„Doch, sie schlief. Ich habe sie nur geweckt.“ 😀

Gestern mit dir im Schrank

„Ich fühle mich so leer“, sagte die Tasse.
„Biste ja auch“, sagte die andere.
„Du aber doch auch. Nur scheint dir das gar nichts auszumachen.“
„Stimmt, faktisch bin ich leer, aber ich fühle mich nicht so.“
„Wieso denn nicht?“
„Weil ich an gestern denke.“
„Gestern?“
„An gestern im Schrank, als wir uns so nah waren. So ineinander ruhend.“
„Das meine ich doch. Und jetzt diese Leere.“
„Dann mach es doch mal wie ich: Wenn ich in mich reinfühle, spür ich was.“
„Was denn?“
„Dass ich erfüllt bin von dir.“ 😀