Mein Oktober-Geständnis

Es waren die Redaktionen von „Münsterländische Tageszeitung“, „Oldenburgische Volkszeitung“ und „OM-Medien“, die mich baten, alle paar Wochen für sie eine Kolumne zu schreiben. Hier mein Oktober-Geständnis. War mir wieder einmal ein Vergnügen.

Zugegeben, auch ich tue es. Immer wieder. Heute ist es mir (glaube ich) noch nicht passiert, aber gestern. Da fragte mich die Tochter eines Freundes, wie ich ihre neue Frisur fände. Wäre ich ganz spontan ehrlich gewesen, hätte ich gesagt: „Entsetzlich.“ Schließlich hatte ich Vivi im ersten Augenblick überhaupt nicht erkannt. Von ihrer bisherigen Haarpracht war ja lediglich der Charme einer Auslegeware geblieben. Fehlte nur das Etikett mit der Aufschrift: „1 Millimeter, rutschfest, pflegeleicht.“ Während ich in ihren nach wie vor anmutigen Gesichtszügen hilflos nach einer salonfähigen Antwort suchte, fiel mir eine ein: „Joaaaa, steht dir.“ „Mein Oktober-Geständnis“ weiterlesen

Zur Unendlichkeit

Weit, weit draußen, 
dort, wo des Himmels 
weiße Wolkenkissen 
all irdisches Getöse 
still in Sanftheit betten, 
muss die Unendlichkeit 
zu Hause sein. 
Würd‘ sie 
so gern erreichen, 
eins mit ihr werden, 
in ihr schwebend 
eigene Gedankendeiche 
fluten. 
Viel zu lang schon
stapft ich im Schlick 
meines Sehnens 
ihr hinterher, 
bis eigene Endlichkeit 
fast mich verschlungen.
Nun schau‘ ich 
auf den Kompass, 
den sie mir geschenkt. 
Er sagt: 
Zur Unendlichkeit 
geht’s weder vor 
noch zurück. 
Sie ist in dir.

Du musst sie lieben

Oh Nacht, 
du musst sie lieben, 
all die Halme und Sprosse,
die ihr Ich kaum erfahren,
im Wir ein Leben lang 
Weide sind. 
Hast für sie
in lichtfernen Stunden 
deine Schätze 
aus nachtkühlen
Schatullen geholt, 
jeden Halm, jeden Spross 
mit deinem Tau geziert. 
Einen prachtvoller 
als den anderen. 
Und wenn der Tag 
zur Wachablösung 
dir gute Nacht gesagt, 
ist’s, als hättest du 
dein diamantenes Kleid 
abgestreift, 
damit des Morgens Sonne 
ihre eigne Pracht
in der Weide 
glitzerndem Gewand 
erkenne. 

Dieses Bauchgefühl

Es waren die Redaktionen von „Münsterländische Tageszeitung“, „Oldenburgische Volkszeitung“ und „OM-Medien“, die mich baten, alle paar Wochen für sie eine Kolumne zu schreiben. Hier meine erste. War mir ein Vergnügen.

Irgendwie verstehe ich sie ja, die, die sagen: „Wählen? Ich nicht.“ Zumindest dann, wenn sie glauben, nicht die erforderliche Kompetenz zu haben. Will ich meine Kreuze komplett durchreflektiert machen, stelle ich schnell fest, kaum die Zeit zu haben, mich in alle relevanten Themen hinreichend einzuarbeiten. Aber wichtige Entscheidungen fallen selten leicht. Das prophezeit schon das Wort „entscheiden“. Es leitet sich vom Verb „scheiden“ ab, und scheiden tut nun mal weh. Egal, welche Entscheidung uns bevorsteht. Während ich eine Option wähle, muss ich eine andere loslassen. Also keine Entscheidung treffen? Das klappt nicht. Wir können uns nicht nicht entscheiden. Während wir einer Wahl aus dem Weg gehen, entscheiden wir uns für den der Mehrheit. „Dieses Bauchgefühl“ weiterlesen

Eine solche Lesung habe ich mir gewünscht

Eine solche Lesung aus meinem Roman „Till Türmer und die Angst vor dem Tod“ habe ich mir schon lange gewünscht. Ludwig Kleinalstede, ein Pianist, den ich wegen seiner Virtuosität seit vielen Jahren bewundere, macht’s möglich: Er spielt während meiner Lesung im Kulturpark von Alois Pöhler in Höltinghausen unter anderem zwei Werke, die in meinem Roman eine wichtige Rolle spielen:
Ludwig van Beethovens Mondscheinsonate, 3. Satz
und Frederic Chopins Fantasie-Impromptu, cis-Moll.

Literaturpreis 2021 der „Gruppe 48“

Am 12. September ist es wieder soweit: Als Jury-Mitglied der „Gruppe 48“ bin ich mit von der Partie, wenn wir auf Schloss Eulenbroich bei Köln den diesjährigen Literaturpreis vergeben können.

Die acht Finalautoren der Wettbewerbsveranstaltung lesen am 12.09.2021 ihre Texte. 
Die Jury unseres Wettbewerbs ohne Altersbegrenzung hat in ihrem anonymisierten Verfahren die Texte folgender Autoren ausgewählt:

Lyrik:
Prof. Dr. Thomas Schlager-Weidinger, Kallham, Österreich 
Maja Loewe, Lübeck 
Eline Menke, Rheda Wiedenbrück 
Sabine Petko, Petershagen
      
Prosa:
Michael Hackethal, Xanten 
Tom Liehr, Berlin 
Juliane Pickel, Hamburg
Uwe Schneider, Stuttgart 

Es werden am 12.09.21 die Texte unter Einbezug des Publikums diskutiert und alle Teilnehmer der Veranstaltung wählen zum Schluss in geheimer Wahl die beiden Preissieger (Lyrik und Prosa). Beginn 10.30 Uhr, Ende ca. 17.00 Uhr. Dazwischen eine Stunde Mittagspause, in der wir einen Imbiss und Getränke spendieren. Die Veranstaltung wird musikalisch gerahmt von Anne Cordes-Pistorius, Querflöte, und als Video aufgezeichnet (später bei Youtube anzuschauen). Die Veranstaltung moderiert Dr. Heiger Ostertag, Mitglied der Jury. Auf der Veranstaltung präsentieren wir unsere Anthologie zum Wettbewerb „Wunderwerk Text. 3. Ausgabe der Reihe, in der die ausgewählten Texte von 45 Autoren (einschl. der Texte der Finalautoren) die sich am Wettbewerb beteiligt hatten, veröffentlicht sind.

Das Preisgeld ist wie folgt aufgeteilt: 
Preis der Gruppe 48 für Lyrik, dotiert mit 3.000 €  
Preis der Gruppe 48 für Prosa, dotiert mit 3.000 €
sowie sechs Nominierungspreise zu je 1.000 €

Der Wettbewerb wird mit Unterstützung folgender Sponsoren durchgeführt: Dr. Uta Oberkampf, Rösrath, Dr. Jürgen Rembold Stiftung zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, Rösrath, VR Bank eG Bergisch Gladbach-Leverkusen. 



Mein Kalender für 2022 ist da

Ich weiß, hier lässt sich üüüüüüüberhaupt nichts schönreden, denn dieser Text ist schlicht und (wenig) ergreifend nix als Werbung. 😉 Und zwar eine für meinen nächsten Kalender, für den des Jahres 2022. Aber was soll ich machen?! Schließlich waren es ganz, ganz viele von euch, die mich baten, sofort Bescheid zu geben, wenn der neue Kalender da ist. Nun ist es passiert: Im Verlag Calvendo ist mein Kalender 2022 erschienen. Darin philosophieren Fenster, Bäume und andere clevere Gestalten über das gute Leben. Titel: „… sagte das Fenster“. Formate: A 5, A 4, A 3 und A 2.
Ist in jedem Buchhandel, direkt beim Verlag und bei Amazon zu bestellen.
Mehr dazu erfahrt ihr auf meiner Website andreasklaene.de
Übrigens: Das Motiv auf Seite 1 fiel mir auch diesmal im Nordseebad Dangast vors Objektiv. 😀

Dieses Publikum hat mich begeistert

Es stimmt einfach nicht, dass heutzutage kaum noch einer zuhören kann. Am Wochenende habe ich das diametrale Gegenteil erlebt. 😀 Und zwar bei zwei Veranstaltungen des Kulturkreises Visbek. Der hatte mich eingeladen, dort im Saal des Rathauses am Freitag- und am Sonntagabend Lesungen aus meinem Roman „Till Türmer und die Angst vor dem Tod“ zu halten. 
Anschließend hatte ich noch die schöne Gelegenheit, einen ganz anderen Akzent zu setzen, indem ich zwei meiner lyrischen Texte vortrug — begleitet von Dr. Jutta Heyen am Klavier, von der Sopranistin Jutta Heyer und der Bassstimme von Dr. Klaus König. 
Wenn beide Veranstaltungen supergut besucht waren, lag das gewiss nicht nur an mir, sondern auch daran, dass die Menschen nach ewig langer Corona-Zwangspause Heißhunger auf Kultur hatten. Die letzte tolle Lesung mit Fritz Pleitgen und dem russischen Romancier Michail Schischkin ist halt schon eine gefühlte Ewigkeit her. 

Wenn ich deine Grenzen akzeptieren würde

„Mag sie noch so edel aussehen, ich kann sie nicht ausstehen“, sagte der Raum.
„Wovon sprichst du?“, fragte der andere.
„Von dieser doofen Absperrung. Die ist doch so über wie ´n Virus.“
„Ich finde so ´ne Grenze gar nicht so schlecht.“
„Also hör mal, wir gehören zusammen. Nichts und niemand darf uns trennen. Dass du das anders siehst, macht mich jetzt total fertig.“
„Quatsch, bin doch deiner Meinung.“
„Und wieso biste dann so in diese blöde Grenze verliebt?“
„Nicht verliebt, finde sie nur interessant.“
„Wieso?“
„Wenn keine Grenze da ist, hab ich doch gar keine Ahnung, wo ich aufhöre und wo du beginnst.“
„Macht doch nichts.“
„Mag sein, aber ich stell mir gerade vor, wie`s wäre, wenn ich bei aller Liebe immer deine Grenzen akzeptieren würde. Dann könnte es doch glatt passieren, dass du mich demnächst noch mehr lieb hast.“ 😀

Dich noch zu sehen

Hatte nicht mehr daran geglaubt,
dich noch zu sehen,
nicht an diesem Abend.
Hatte nur darauf gehofft, ganz leis,
kaum lauter als schläfriger Abendwind,
der die Halme streift.
Wie aus Waldes Zauberhand entsprungen
bist du nun aufgetaucht, sichtbar geworden,
nur weil du mich nicht siehst. 
Ich betrachte dich mit starren Lidern,
will dich nicht vertreiben 
aus menschenferner Blätterwelt,
erkenne in dir das Wesen, 
das nicht an gestern und an morgen denkt, 
das den Augenblick
liebevoll mit Aufmerksamkeit beschenkt,
und ich begreife, 
dass im Beobachten das Achten wohnt.