
Die Nacht steigt auf
wie ein tiefer letzter Atemzug
der Welt,
und doch liegt in ihr
kein ewiges Verstummen.
Überm finstren Horizont
thront kathedral ein Licht.
Es spricht nicht
von sich selbst,
es erzählt von dem, was bleibt:
von Wärme, von Wiederkehr,
von einem Morgen,
der im Schatten schon erwacht.
So vieles fällt in dieser Zeit –
Gewissheit, Sicherheit,
manchmal auch der Mut.
Die Tage tragen Schwere,
die Stimmen der Angst
gleichen heulenden Sirenen.
Doch selbst
an dunkelsten Abenden
bleibt ein stilles Leuchten
über uns
wie ein Erinnern,
das niemand löschen kann.
Nichts versinkt ganz.
Nichts geht für immer verloren.
So wie die Sonne
sich zurückzieht
ohne zu fliehen,
ohne zu kapitulieren,
nur, um woanders
zu erscheinen,
auch für andere da zu sein.
So wie der Mond
sein Licht nur leiht
und dennoch hell genug ist,
um uns durch die Nacht zu leiten.
So wie Wolken glimmen,
obwohl kein Tag mehr scheint.
In diesem Abendschweigen,
im Nachtblau,
das die Welt bedeckt,
liegt ein Versprechen,
das älter ist als jede Angst:
Jede Dunkelheit ist vorläufig.
Jedes Ende
trägt einen Anfang in sich.
Und manchmal
genügt ein einziges
helles Zeichen
am abendlichen Himmel,
um uns zu sagen,
dass wir nicht machtlos sind.





