Wie die sich immer hervortut

„Die schon wieder“, sagte die eine Welle zur anderen.
„Wer schon wieder?“
„Die olle Boje da.“
„Was haste denn gegen die?“
„Siehste denn nicht, wie die sich immer hervortut?“
„Ich seh nur, dass sie groß und ziemlich rot ist.“
„Sag ich doch.“
„Nee, hast was anderes gesagt.“
„Quatsch, immer diese Wortklauberei. Die ist nicht nur groß und rot, die ist auch so ’n typischer Einzelgänger. Ich glaub, die genießt es richtig, sich über uns zu erheben und sich von allen anstarren zu lassen.“
„Kann auch ganz anders sein.“
„Und wie?“
„Vielleicht ist sie nicht nur äußerlich groß. Und vielleicht hat sie kapiert, dass Größe verpflichtet.“
„Wozu denn verpflichtet?“
„Richtung zu geben.“
„Aha.“
„Außerdem spür ich gerade, dass ich Einzelgänger gar nicht übel finde.“
„Wieso denn das jetzt?“
„Weil kaum einer unsere Fantasie in die Gänge bringt wie sie.“

Herdendenken

„Sag bloß, du hast dich verirrt?“, sagte der Deich.
„Nee, noch nicht“, sagte das Schaf.
„Und wieso guckste dann so ratlos?“
„Weil mit uns was nicht stimmt.“
„Mit wem?“
„Mit unserer Herde.“
„Da wissen schließlich alle, wo’s langgeht“, sagte der Deich. „Einfach dem Ersten nach. Immer weiter.“
„Das ist es ja! Immer hinterm Leithammel her.“
„Ist doch okay.“
„Find ich aber nicht demokratisch.“
„So geht’s doch am besten“, sagte der Deich.
„Die Herde könnte auch den Hammel leiten“, sagte das Schaf.
„Weiß nicht. Ich glaube, du verläufst dich.“
„Nich so schlimm. Lieber auf’m Deich verlaufen als inne schräge Idee von so `nem Hammel verrennen.“ 😀

Drüber hinweg

Sie stolpern nicht,
preschen nicht gegen Wände,
gleiten mit Leichtigkeit über sie hinweg:
Vögel, die fliegen,
und Menschen, die lachen.

Andreas Klaene

MerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerken

Nun hat sie ihn für sich

Keiner mehr da.
Alle sind ihr entwichen,
in kühle Räume entschwunden.
Nun hat sie ihn für sich,
die Mittagssonne,
breitet sich flirrend über ihm aus.
Und wenn sie geht,
ist’s für den Dorfplatz,
als bliebe etwas von ihr bei ihm.
Als machte sie sich noch immer
mit ihrem glühenden Leib
auf ihm zu schaffen.

Andreas Klaene

Sie gaffen nicht

Wie tausend Augen
sehen Sie zu uns herunter.
Sie gaffen nicht,
betrachten und begleiten uns
mit sanftem Blick,
die Fenster des Südens,
zu denen aufschauend
wir den Charme
des Himmels entdecken.

Andreas Klaene